Wie Sie Ihr Arbeitszeugnis nach einer Kündigung richtig anfordern und prüfen – Schritt-für-Schritt-Anleitung
Nach einer Kündigung ist das Arbeitszeugnis ein wichtiges Dokument für Ihre berufliche Zukunft. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihr Arbeitszeugnis richtig anfordern, welche Fristen zu beachten sind und wie Sie das Zeugnis auf seine Richtigkeit prüfen. Mit praktischen Tipps und Beispielen zeigen wir Ihnen, wie Sie typische Formulierungen verstehen und Fehler vermeiden. So sichern Sie sich ein qualifiziertes Zeugnis, das Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.
Wie Sie Ihr Arbeitszeugnis nach einer Kündigung richtig anfordern und prüfen
Ein Arbeitszeugnis ist nach einer Kündigung häufig das wichtigste Schriftstück für Ihren weiteren beruflichen Werdegang. Es dokumentiert Ihre Leistungen und das Verhalten während des Arbeitsverhältnisses. Damit es Ihnen wirklich hilft, sollten Sie es richtig anfordern und sorgfältig prüfen.
In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie dabei vorgehen. So behalten Sie Fristen im Blick, vermeiden typische Fehler und erkennen, ob das Zeugnis fair formuliert ist.
Warum ist das Arbeitszeugnis nach einer Kündigung so wichtig?
- Es ist oft entscheidend bei Bewerbungen.
- Es beeinflusst, wie potenzielle Arbeitgeber Ihre Arbeit bewerten.
- Es dokumentiert Ihre Tätigkeit und Fähigkeiten offiziell.
- Ein gutes Zeugnis kann Ihre Chancen auf eine neue Stelle verbessern.
Arbeitszeugnis anfordern – so geht’s richtig
1. Zeitpunkt beachten
- Das Recht auf ein Arbeitszeugnis haben Sie grundsätzlich bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
- Fordern Sie das Zeugnis möglichst zeitnah an – idealerweise direkt im Kündigungsgespräch oder spätestens mit dem letzten Arbeitstag.
2. Schriftliche Anforderung formulieren
Muster für die Anfrage:
Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name],
hiermit bitte ich um die Ausstellung meines qualifizierten Arbeitszeugnisses zum Ende meines Arbeitsverhältnisses am [Datum].
Ich danke Ihnen im Voraus und freue mich auf die Übersendung.
Mit freundlichen Grüßen
[Ihr Name]
- Ein qualifiziertes Zeugnis enthält neben der Dauer und Art der Tätigkeit auch eine Bewertung Ihrer Leistung und Ihres Verhaltens.
- Bewahren Sie die Anfrage als Nachweis auf.
3. Frist setzen
- Das Gesetz schreibt keine feste Frist vor, aber eine Antwort innerhalb von 2–4 Wochen ist üblich.
- Falls keine Rückmeldung erfolgt, erinnern Sie freundlich schriftlich.
Arbeitszeugnis prüfen – worauf Sie achten sollten
1. Formale Aspekte
- Vollständiger Name und korrekte Anrede
- Exaktes Beschäftigungsdatum (Eintritt und Austritt)
- Beschreibung der Tätigkeiten
- Unterschrift und Firmenstempel
2. Inhaltliche Bewertung
- Leistung: Wie werden Ihre Fähigkeiten und Arbeitsergebnisse dargestellt?
- Verhalten: Wie wird Ihr Sozialverhalten und Teamfähigkeit beschrieben?
- Schlussformel: Enthält sie eine wohlwollende, abschließende Formulierung?
3. Typische Formulierungen verstehen
| Formulierung | Bedeutung |
|---|---|
| „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ | Hervorragende Leistung |
| „zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Gute Leistung |
| „zur Zufriedenheit“ | Durchschnittliche Leistung |
| „bemüht“ | Mangelhaft |
4. Hinweise auf versteckte Kritik
- Vorsicht bei Floskeln wie „hat sich bemüht“ oder „hat die Aufgaben übernommen“
- Fehlende Angaben zu Verhalten können negativ sein
Praktische Beispiele
Beispiel 1: Gutes Zeugnis anfordern
Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte stellen Sie mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis mit einer wohlwollenden und vollständigen Leistungsbewertung aus. Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit.
Beispiel 2: Kritik erkennen
„Herr X zeigte stets Bemühungen, den Anforderungen gerecht zu werden.“
Dies ist eine negative Formulierung, die eine schwache Leistung beschreibt.
Häufige Fehler beim Anfordern und Prüfen
- Arbeitszeugnis zu spät anfordern
- Nur ein einfaches Zeugnis verlangen (ohne Leistungsbewertung)
- Zeugnis nicht sorgfältig auf versteckte Kritik prüfen
- Keine schriftliche Bestätigung der Anforderung aufbewahren
Tipps und Best Practices
- Bitten Sie um ein qualifiziertes Zeugnis, nicht nur ein einfaches
- Fordern Sie das Zeugnis schriftlich an und bewahren Sie die Korrespondenz auf
- Vergleichen Sie Ihr Zeugnis mit Mustern und prüfen Sie Formulierungen kritisch
- Holen Sie bei Unsicherheiten Rat bei Gewerkschaft oder Fachanwalt ein
Troubleshooting: Wenn das Zeugnis nicht passt
- Unstimmigkeiten schriftlich beanstanden: Fordern Sie eine Korrektur mit konkreten Beispielen.
- Frist setzen: Geben Sie dem Arbeitgeber eine angemessene Frist (z.B. 14 Tage).
- Fachanwalt oder Gewerkschaft einschalten: Bei Weigerung oder Verzögerung rechtliche Unterstützung suchen.
Fazit
Das Arbeitszeugnis nach einer Kündigung ist ein wertvolles Dokument für Ihre berufliche Zukunft. Durch eine rechtzeitige, schriftliche Anforderung und eine sorgfältige Prüfung stellen Sie sicher, dass es Ihre Leistungen korrekt und wohlwollend widerspiegelt. Achten Sie besonders auf Formulierungen und Fristen, um Ihre Rechte zu wahren. Im Zweifel hilft Ihnen professionelle Beratung, um das beste Ergebnis zu erzielen.
Bleiben Sie ruhig und strukturiert – so behalten Sie die Kontrolle über Ihre berufliche Zukunft nach der Kündigung.